Der neue höhenverstellbare Tisch steht im Büro, das Walkingpad ist geliefert, das Deskbike aufgebaut. Drei Monate später nutzt es kaum jemand. Genau hier entscheidet sich, ob Unternehmen Bewegung am Schreibtisch fördern oder lediglich Bürohardware anschaffen. Das Problem ist selten fehlende Motivation einzelner Mitarbeiter. Meist fehlt ein System, das Nutzung im Arbeitsalltag einfach, akzeptiert und sicher macht.
Für HR, BGM, Office Management und Geschäftsführungen ist das mehr als ein Gesundheitsthema. Viel Sitzen trifft auf konzentrierte Bildschirmarbeit, volle Kalender und steigende Erwartungen an moderne Arbeitsplätze. Aktive Arbeitsplätze können ein wirksamer Baustein sein. Aber nur dann, wenn sie in Arbeitsabläufe integriert werden – statt als gut gemeinte Einzelmaßnahme neben dem Obstkorb zu stehen.
Bewegung am Schreibtisch fördern heißt Nutzung organisieren
Walkingpads und Deskbikes verkaufen sich über ein leicht verständliches Versprechen: mehr Aktivität während der Arbeitszeit. Der tatsächliche Mehrwert entsteht jedoch nicht beim Kauf, sondern in den Wochen danach. Wer darf das Gerät nutzen? Für welche Tätigkeiten eignet es sich? Wo steht es? Wie werden Wartezeiten vermieden? Und wie reagieren Führungskräfte, wenn jemand während eines Calls langsam geht?
Diese Fragen klingen operativ. Sie sind aber entscheidend für die Nutzungsrate. Ein aktiver Arbeitsplatz konkurriert nicht mit dem Fitnessstudio, sondern mit eingespielten Gewohnheiten: sitzen, arbeiten, weiter sitzen. Deshalb muss die Nutzung weniger Aufwand erzeugen als das bisherige Verhalten.
Der richtige Ansatz ist nicht: „Wir stellen ein Gerät hin und hoffen auf Eigeninitiative.“ Der richtige Ansatz lautet: „Wir schaffen einen klaren, sicheren und sozial akzeptierten Nutzungsmoment.“ Das kann eine ruhige Fokusphase am Vormittag sein, ein internes Buchungssystem oder ein Teamritual nach längeren Meetings. Welche Variante passt, hängt von Raumkonzept, Unternehmensgröße und Arbeitsprofil ab.
Hardware ist nur ein Teil der Lösung
Ein Walkingpad kann bei leichten, standardisierten Aufgaben sinnvoll sein: E-Mails sortieren, Dokumente lesen, interne Abstimmungen führen oder Routine-Calls wahrnehmen. Für komplexe Tabellen, konzentriertes Schreiben oder anspruchsvolle Präsentationsvorbereitung ist langsames Gehen nicht für jede Person und nicht jederzeit die beste Wahl.
Ein Deskbike ist häufig die niedrigschwellige Alternative für Tätigkeiten, die eine stabilere Handführung erfordern. Es braucht weniger Raum, lässt sich im Sitzen nutzen und kann für manche Mitarbeitende die bessere Einstiegslösung sein. Es gibt keine pauschal beste Hardware. Entscheidend ist, welche Tätigkeiten, Personen und Flächen im Unternehmen vorhanden sind.
Wer diese Unterschiede ignoriert, kauft entweder zu wenig passend ein oder erwartet von einem Gerät Leistungen, die es nicht erfüllen soll. Das führt zu Enttäuschung und im schlimmsten Fall zum Etikett „wird bei uns nicht angenommen“.
Der wirtschaftliche Grund für aktive Arbeitsplätze
Unternehmen investieren nicht in Bewegung, um Geräte zu verwalten. Sie investieren in einen Arbeitsplatz, der Gesundheit, Arbeitgeberattraktivität und Leistungsfähigkeit konkret unterstützt. Gerade bei überwiegend sitzender Arbeit ist Bewegung kein Nice-to-have für besonders Sportliche. Sie ist ein Gegenpol zu einem Arbeitsalltag, der körperlich extrem einseitig geworden ist.
Der wirtschaftliche Blick hilft dabei, das Projekt intern sauber zu positionieren. Relevant sind nicht nur Anschaffungskosten. Dazu kommen die Zeit für Auswahl, Kommunikation, Aufstellung, Einweisung und laufende Betreuung. Demgegenüber stehen mögliche Effekte wie eine höhere wahrgenommene Arbeitsplatzqualität, stärkere Bindung, ein sichtbar gelebtes BGM und ein moderneres Arbeitsumfeld.
Seriös ist dabei: Nicht jeder Effekt lässt sich kurzfristig einer einzelnen Maßnahme zurechnen. Fehlzeiten, Engagement und Produktivität haben viele Ursachen. Trotzdem wäre es falsch, deshalb auf Messung zu verzichten. Unternehmen sollten den Erfolg über die Faktoren steuern, die sie direkt beeinflussen können: tatsächliche Nutzung, Wiederholungsnutzung, Akzeptanz, Sicherheit und die Passung zur Arbeit.
So wird aus der Anschaffung ein funktionierendes System
Ein praxistauglicher Einführungsprozess reduziert Fehlinvestitionen und macht früh sichtbar, was im eigenen Unternehmen funktioniert. Er beginnt nicht mit einer großen Bestellung, sondern mit einer klaren Entscheidung über Ziele und Rahmenbedingungen.
1. Ausgangslage und Einsatzfelder definieren
Zuerst braucht es eine ehrliche Bestandsaufnahme. Wie arbeiten die Teams? Gibt es feste Einzelplätze, Desk Sharing oder überwiegend Homeoffice? Welche Bereiche haben viele telefonische Routineaufgaben, welche arbeiten hochkonzentriert und welche Räume bieten ausreichend Platz?
Ebenso wichtig ist die Zielsetzung. Soll ein sichtbares BGM-Angebot entstehen, die Rückkehr ins Büro attraktiver werden oder sollen Beschäftigte im Arbeitsalltag häufiger ihre Sitzzeit unterbrechen? Ein Projekt mit mehreren Zielen kann sinnvoll sein. Es braucht aber eine Priorität, damit Auswahl, Kommunikation und Erfolgsmessung zusammenpassen.
2. Klein starten, aber professionell testen
Ein Pilot ist kein halbherziger Test. Er ist die kontrollierte Erprobung unter realen Bedingungen. Statt sofort viele Geräte zu verteilen, wählen Unternehmen eine repräsentative Nutzergruppe und einen passenden Standort. Dabei werden unterschiedliche Arbeitsweisen, Erfahrungsniveaus und körperliche Voraussetzungen berücksichtigt.
Im Pilot sollten klare Fragen beantwortet werden: Zu welchen Tageszeiten wird das Angebot genutzt? Welche Aufgaben funktionieren gut? Entstehen Wartelisten? Wird das Gerät allein oder in Verbindung mit einem höhenverstellbaren Tisch genutzt? Und welche Hindernisse nennen Beschäftigte offen?
Ein kurzer, strukturierter Feedbackprozess ist wertvoller als eine allgemeine Zufriedenheitsabfrage. Wer nur fragt, ob das Walkingpad „gut“ sei, erhält nette Kommentare. Wer nach konkreten Nutzungssituationen, Hürden und Verbesserungsvorschlägen fragt, erhält Entscheidungsgrundlagen.
3. Einweisung, Regeln und Akzeptanz sichern
Die beste Ausstattung scheitert, wenn Menschen unsicher sind. Eine Einweisung klärt deshalb nicht nur die Bedienung. Sie vermittelt auch, welche Arbeitsaufgaben sich eignen, wie langsam gestartet wird und wann eine Pause die bessere Wahl ist.
Klare, unkomplizierte Regeln schaffen Sicherheit für alle Beteiligten. Dazu gehören Hinweise zu Kleidung und Schuhwerk, ein freier Bereich um das Gerät, die sichere Kabelführung, Reinigung und ein nachvollziehbarer Zugang. Führungskräfte spielen ebenfalls eine zentrale Rolle: Wenn aktive Arbeitsplätze als legitime Arbeitsform wahrgenommen werden, steigt die Bereitschaft zur Nutzung deutlich.
Dabei gilt: Kein sozialer Druck. Bewegung am Arbeitsplatz darf nicht zur neuen Leistungsnorm werden. Menschen müssen selbst entscheiden können, ob und wann sie ein Angebot nutzen. Akzeptanz wächst durch Freiwilligkeit, gute Erfahrungen und sichtbare Normalität – nicht durch Wettbewerbe, die Mitarbeitende bloßstellen.
4. Nutzung dauerhaft begleiten
Nach dem Start beginnt die eigentliche Arbeit. Ein Gerät, das anfangs Neugier erzeugt, braucht später Impulse für die regelmäßige Nutzung. Das können kurze Erinnerungen, interne Erfahrungsberichte, Onboarding-Hinweise für neue Kolleginnen und Kollegen oder feste Bewegungsfenster in Teams sein.
Auch die Zuständigkeit muss geklärt sein. Wer prüft, ob das Gerät funktionsfähig und zugänglich ist? Wer nimmt Feedback auf? Wer entscheidet bei wachsender Nachfrage über weitere Standorte? Ohne Eigentümer im Unternehmen wird ein aktiver Arbeitsplatz schnell zum Möbelstück ohne System.
Work & Move setzt genau an dieser Lücke an: Nicht das einzelne Produkt, sondern Einführung, Erprobung und dauerhafte Nutzung machen aus aktiven Arbeitsplätzen eine belastbare Unternehmenslösung.
Arbeitsschutz und Ergonomie von Anfang an mitdenken
Aktive Arbeitsplätze müssen zum Arbeitsschutz passen. Das betrifft die Gefährdungsbeurteilung ebenso wie die konkrete Aufstellung und die Unterweisung der Nutzenden. Verantwortliche sollten früh klären, wie Anforderungen aus Arbeitsschutz, Berufsgenossenschaft und DGUV im jeweiligen Einsatzkonzept berücksichtigt werden.
Besonders bei Walkingpads sind Stolperstellen, ausreichend Bewegungsfläche, stabile Arbeitsflächen und ein kontrollierter Einstieg relevant. Die Geräte gehören nicht in enge Fluchtwege oder improvisierte Ecken. Auch Lärm, Bodenschutz und die Nähe zu Arbeitsplätzen anderer Teams können eine Rolle spielen.
Ergonomie bedeutet zudem nicht, acht Stunden in einer neuen Position auszuharren. Der Nutzen liegt im Wechsel: sitzen, stehen, langsam gehen, kurz pausieren. Wer aktive Arbeitsplätze als Ergänzung zu einem insgesamt ergonomischen Büro versteht, trifft die bessere Entscheidung.
Kennzahlen, die eine Entscheidung wirklich verbessern
Für eine Skalierung reichen Fotos vom Eröffnungstag nicht aus. Unternehmen sollten wenige, aussagekräftige Kennzahlen festlegen und regelmäßig prüfen. Dazu zählen die Anzahl der Nutzenden, die Nutzungshäufigkeit pro Woche, die durchschnittliche Nutzungsdauer und die Wiederkehrquote. Ergänzend liefern qualitative Rückmeldungen Hinweise darauf, ob Geräte am richtigen Ort stehen und ob die Kommunikation funktioniert.
Vorsicht ist bei reinen Auslastungszahlen geboten. Ein Gerät kann dauerhaft ausgebucht sein, weil zu wenige vorhanden sind. Es kann selten genutzt werden, weil der Standort schlecht gewählt wurde – oder weil ein Team schlicht überwiegend Aufgaben erledigt, die sich nicht dafür eignen. Zahlen brauchen Kontext.
Gerade deshalb ist ein Pilot mit definierten Erfolgskriterien so wertvoll. Er ersetzt Annahmen durch Erfahrungen aus der eigenen Organisation und gibt Entscheidern eine nachvollziehbare Grundlage für Investition, Anpassung oder bewussten Stopp.
Der nächste sinnvolle Schritt ist nicht, möglichst schnell Geräte zu bestellen. Es ist, den Arbeitsplatz so zu gestalten, dass Bewegung während der Arbeit tatsächlich möglich, sicher und selbstverständlich wird. Wenn dieses Fundament steht, wird aus einem Walkingpad oder Deskbike kein Symbolprojekt, sondern ein Angebot, das Mitarbeitende wirklich in ihren Alltag übernehmen.

